Mittwoch, 29. Oktober 2008

Das Zeitalter der Individualisierung und Wissens- u. Informationsgesellschaft








Individualisierung und Wissens- und Informationsgesellschaft
Individualisierung, Globalisierung, Wissens- und Informationsgesellschaft – all das sind Begriffe, mit denen man heute konfrontiert ist, wenn man sich u.a. mit dem Bereich der Weiterbildung befasst. Lernkulturen haben sich ebenso wie gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse aufgrund der Modernisierung und Industriealisierung im Laufe der Zeit gewandelt. Wie der Begriff Individualisierung schon vermuten lässt, wird heute nicht mehr auf Fremd-, sondern auf Selbstbestimmung Wert gelegt. Menschen müssen sowohl in privaten als auch in beruflichen Angelegenheiten aktiv und selbstorganisiert und selbstständig Verantwortung für ihren eigenen Lebensweg übernehmen. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels ist jede/r Einzelne nahezu dazu gezwungen, seine ihre / eigene Biographie herzustellen und zu inszenieren. Es kommt zu einer Zunahme an Komplexität in den unterschiedlichsten Bereichen:
†Im Arbeitsleben steigen die Anforderungen: Sozial-, Kommunikations- und Selbstkompetenzen werden neben der beruflich–fachlichen Qualifizierung gefordert.
†Im öffentlichen Bereich muss sich das Individuum heute selbst um Probleme kümmern, die früher durch Ämter oder Institutionen gelöst wurden (z.B. Arbeitsbeschaffung)
†Auch im privaten Bereich steigen die Angebote der Freizeitgestaltung, wodurch das Individuum in der Lage sein muss, zu selektieren und seine Freizeit mit seinen beruflichen und sozialen Verpflichtungen in Einklang zu bringen.
Im beruflichen wie auch im privaten Bereich reicht es heute nicht mehr aus, „nur“ über Basiswissen zu verfügen (technischer, sozialer Fortschritt). Zwar gestattet die Individualisierung auch mehr Raum für die Gestaltung eigener Vorstellungen beispielsweise über das familiäre Zusammenleben und erweitert Handlungsmöglichkeiten und es kommt zu einem Übergang von Uniformität zur Vielfalt (vgl. Junge 2002, S. 7f.), doch die Tatsache, dass das Individuum heute mit einer Komplexität von Wissen nahezu überschüttet wird, führt zu Unsicherheiten. Über welches Wissen muss ich verfügen? Fachwissen? Speicherwissen? Methodenwissen? Reflexions- oder Persönlichkeitswissen? Reicht mein Wissen aus? Welches Wissen muss ich mir aneignen, um mein bisheriges Wissen nicht veralten zu lassen? Welches Wissen macht mich konkurrenzfähig? Mit diesen oder ähnlichen Fragen ist jede/r Einzelne heute konfrontiert, wenn es u.a. um die berufliche Aus- oder Weiterbildung geht. Eine starke Verbreitung von Informations- und Kommunikationsmedien kennzeichnet die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur so genannten „Wissens- bzw. Informationsgesellschaft“. Ein erfolgreicher Umgang mit Informations- und Kommunikationsmedien wird heute nahezu in allen Bereichen vorausgesetzt um am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Ständiges Dazu–Lernen wird gefordert, um der Wissensexplosion und Informationsflut Stand halten zu können. Diese hohe Bedeutung von Wissen in allen Lebensbereichen prägt auch soziale Beziehungen. Die Folge: Neue Formen sozialer Ungleichheit zwischen den „Wissenden“ und den „Unwissenden“. „Lebenslanges Lernen“ ist das Schlagwort, das den Trend hin zur Weiterbildungsgesellschaft kennzeichnet. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen haben sich auch die Arbeitsstrukturen gewandelt. Auf globalen Märkten herrscht Wettbewerb vor. Um wettbewerbsfähig zu sein, fordern viele Arbeitsplätze nicht nur noch Fachwissen, sondern auch fachübergreifende Kompetenzen, Selbstorganisation und Selbststeuerung werden als Voraussetzung dafür angesehen. Somit kommt es zu einer Steigerung von Autonomie verbunden mit einer Steigerung des Leistungsdrucks. Jede/r Einzelne ist gefordert, sich Wissen selbstorganisiert anzueignen, Wissen selbst zu konstruieren. Mit all diesen gesellschaftlichen Veränderungen und Anforderungen an das Individuum haben sich auch die Lernkulturen verändert und entwickelt. Lernbiografische Erfahrungen müssen berücksichtigt werden, da sie das Lehr- und Lerngeschehen und somit auch die Entwicklung der Lernkulturen maßgeblich beeinflussen (vgl. Schüßler; Thurnes 2005, S. 27–35).


Verwendete Literatur:
† Junge, Matthias: Individualisierung. Campus Verlag. 2002.
† Schüßler, Ingeborg; Thurnes, Christian M.: Lernkulturen in der Weiterbildung. Studientexte für Erwachsenenbildung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG. Bielefeld. 2005.

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