Donnerstag, 30. Oktober 2008
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Einleitung



Im Zuge unseres Seminars Lehren&Lernen mit Erwachsenen unter der Leitung von Frau Mag. Dr.phil. Barbara Schröttner und Universitätsassistentin Uta Ganev hat sich unsere Gruppe besonders mit dem Thema der Individualisierungs- und Wissens- und Informationsgesellschaft auseinander gesetzt.
Wir haben uns deshalb für diesen Teil unserer Präsentation entschieden, weil es sehr gut zum Thema neue Lernorte und Lernmedien und somit auch sehr gut zum Seminar Lehren&Lernen mit Erwachsenen passt!
Weiters bietet unser öffentlicher Blog zum Thema "Weiterbildung im Zeitalter der Wissens- und Informationsgesellschaft all unseren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, Beiträge zu ergänzen und Kommentare zu diesen abzugeben(Kommunikation),Informationen, Gedanken und Erfahrungen auszutauschen.
Hiermit bietet uns das Blog Raum unsere Ideen im Verlaufe des Seminars zu sammeln und zu ergänzen.
Für all jene unter Euch die nicht genau wissen was ein Blog ist:
Das Wort ergibt sich aus dem englischen Web und Log also Weblog kurz Blog.
Ein Blog ist nichts anderes als ein auf einer Website öffentlich geführtes Tagebuch, auf der man Einträge machen kann, welche dem Datum aufsteigend gespeichert werden.
"Wir laden Euch Blogger recht herzlich dazu ein auf unserer Seite nachhaltig aktiv
zu kommentieren und selbst zu veröffentlichen!
Viel Spaß beim Ausprobieren, dies wünschen Euch eure Seminarkolleginnen Eva, Irina und Nicole!"
Begriffserklärungen- Definitionen

"Individualisierung"
"Individualisierung bezeichnet die zunehmende Herauslösung aus kulturell geprägten sozialen Bindungen." (Huinink/Wagner 1998, S.94)
"Individualisierung bedeutet, dass das Individuum zentraler Bezugspunkt für sich selbst und die Gesellschaft wird […] Individualisierung erweitert und begrenzt Handlungsmöglichkeiten der Individuen" (Junge 2002, S.7)
Weitere Definitionen "Wissens- und Informationsgesellschaft"
„Wissensgesellschaften werden als eine neue Gesellschaftsformation vorgestellt, welche die Produktions- und Arbeitsgesellschaft ablöst" […] (Tänzler/Knoblauch/Soeffner 2006, S.8)
"Erstens soll mit dem Begriff [Wissensgesellschaft] – gewissermaßen als Nachfolger der Informationsgesellschaft – auf die Bedeutung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien […] hingewiesen werden. Zweitens geht es um neue Formen der Wissensproduktionen; Wissen wird als wichtige Ursache wirtschaftlichen Wachstums – neben den klassischen Faktoren Kapital und Arbeit – eingeführt. [...] Es geht also um technologische, wirtschaftliche, wirtschaftsstrukturelle, organisatorische und personalpolitische Veränderungen der Gegenwartsgesellschaft." (Heidenreich 2003, S.1-2)
Literaturangaben:
Heidenreich, Martin: Die Debatte um die Wissensgesellschaft. In: Stefan Böschen und Ingo Schulz-Schaeffer (2003): Wissenschaft in der Wissensgesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Huinink, Johannes/Wagner,Michael: Individualisierung und die Pluralisierung von Lebensformen. In: Friedrichs, Jürgen (1998): Die Individualisierungsthese. Opladen: Leske und Budrich.
Junge, Matthias (2002): Individualisierung. Frankfurt/Main: Campus Verlag GmbH.
Tänzler, Dirk/Knoblauch, Hubert/Soeffner, Hans-Georg (2006): Zur Kritik der Wissensgesellschaft. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.
Das Zeitalter der Individualisierung und Wissens- u. Informationsgesellschaft

Individualisierung und Wissens- und Informationsgesellschaft
Individualisierung, Globalisierung, Wissens- und Informationsgesellschaft – all das sind Begriffe, mit denen man heute konfrontiert ist, wenn man sich u.a. mit dem Bereich der Weiterbildung befasst. Lernkulturen haben sich ebenso wie gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse aufgrund der Modernisierung und Industriealisierung im Laufe der Zeit gewandelt. Wie der Begriff Individualisierung schon vermuten lässt, wird heute nicht mehr auf Fremd-, sondern auf Selbstbestimmung Wert gelegt. Menschen müssen sowohl in privaten als auch in beruflichen Angelegenheiten aktiv und selbstorganisiert und selbstständig Verantwortung für ihren eigenen Lebensweg übernehmen. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels ist jede/r Einzelne nahezu dazu gezwungen, seine ihre / eigene Biographie herzustellen und zu inszenieren. Es kommt zu einer Zunahme an Komplexität in den unterschiedlichsten Bereichen:
†Im Arbeitsleben steigen die Anforderungen: Sozial-, Kommunikations- und Selbstkompetenzen werden neben der beruflich–fachlichen Qualifizierung gefordert.
†Im öffentlichen Bereich muss sich das Individuum heute selbst um Probleme kümmern, die früher durch Ämter oder Institutionen gelöst wurden (z.B. Arbeitsbeschaffung)
†Auch im privaten Bereich steigen die Angebote der Freizeitgestaltung, wodurch das Individuum in der Lage sein muss, zu selektieren und seine Freizeit mit seinen beruflichen und sozialen Verpflichtungen in Einklang zu bringen.
Im beruflichen wie auch im privaten Bereich reicht es heute nicht mehr aus, „nur“ über Basiswissen zu verfügen (technischer, sozialer Fortschritt). Zwar gestattet die Individualisierung auch mehr Raum für die Gestaltung eigener Vorstellungen beispielsweise über das familiäre Zusammenleben und erweitert Handlungsmöglichkeiten und es kommt zu einem Übergang von Uniformität zur Vielfalt (vgl. Junge 2002, S. 7f.), doch die Tatsache, dass das Individuum heute mit einer Komplexität von Wissen nahezu überschüttet wird, führt zu Unsicherheiten. Über welches Wissen muss ich verfügen? Fachwissen? Speicherwissen? Methodenwissen? Reflexions- oder Persönlichkeitswissen? Reicht mein Wissen aus? Welches Wissen muss ich mir aneignen, um mein bisheriges Wissen nicht veralten zu lassen? Welches Wissen macht mich konkurrenzfähig? Mit diesen oder ähnlichen Fragen ist jede/r Einzelne heute konfrontiert, wenn es u.a. um die berufliche Aus- oder Weiterbildung geht. Eine starke Verbreitung von Informations- und Kommunikationsmedien kennzeichnet die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur so genannten „Wissens- bzw. Informationsgesellschaft“. Ein erfolgreicher Umgang mit Informations- und Kommunikationsmedien wird heute nahezu in allen Bereichen vorausgesetzt um am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Ständiges Dazu–Lernen wird gefordert, um der Wissensexplosion und Informationsflut Stand halten zu können. Diese hohe Bedeutung von Wissen in allen Lebensbereichen prägt auch soziale Beziehungen. Die Folge: Neue Formen sozialer Ungleichheit zwischen den „Wissenden“ und den „Unwissenden“. „Lebenslanges Lernen“ ist das Schlagwort, das den Trend hin zur Weiterbildungsgesellschaft kennzeichnet. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen haben sich auch die Arbeitsstrukturen gewandelt. Auf globalen Märkten herrscht Wettbewerb vor. Um wettbewerbsfähig zu sein, fordern viele Arbeitsplätze nicht nur noch Fachwissen, sondern auch fachübergreifende Kompetenzen, Selbstorganisation und Selbststeuerung werden als Voraussetzung dafür angesehen. Somit kommt es zu einer Steigerung von Autonomie verbunden mit einer Steigerung des Leistungsdrucks. Jede/r Einzelne ist gefordert, sich Wissen selbstorganisiert anzueignen, Wissen selbst zu konstruieren. Mit all diesen gesellschaftlichen Veränderungen und Anforderungen an das Individuum haben sich auch die Lernkulturen verändert und entwickelt. Lernbiografische Erfahrungen müssen berücksichtigt werden, da sie das Lehr- und Lerngeschehen und somit auch die Entwicklung der Lernkulturen maßgeblich beeinflussen (vgl. Schüßler; Thurnes 2005, S. 27–35).
Verwendete Literatur:
† Junge, Matthias: Individualisierung. Campus Verlag. 2002.
† Schüßler, Ingeborg; Thurnes, Christian M.: Lernkulturen in der Weiterbildung. Studientexte für Erwachsenenbildung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG. Bielefeld. 2005.
Lerntheoretische Hintergründe 1
*Systemisch-konstruktivistische Lerntheorie *
Um den Wandel von Lernkulturen zu begründen, ziehen die Autoren zwei verschiedene Ansätze heran. Ich möchte nun näher auf die systemisch-konstruktivistische Lerntheorie eingehen.
Lernen ist ein weitgehend selbstorganisiert ablaufender Aneignungsprozess der Lernenden, bei dem sie entscheiden müssen, welche Inhalte wichtig sind und welche Lernschritte sie dabei ergreifen müssen. Konstruktivistische Lerntheorien basieren immer auf dem Fokus der Wahrnehmung, dies bedeutet das Lerntheorien deshalb konstruktivistisch sind, weil wir Menschen immer nur das wahrnehmen was wir sehen egal ob es der Wirklichkeit entspricht oder nicht.
"Es gibt keine Ebene organisationsfreier unmittelbarer Wahrnehmung... Als Organisums haben wir keinen kognitiven Zugang zu unserer Umwelt, sondern nur als Beobachter"(Schmidt 1987, S.18).
Lernen ist ein Ablauf der auf selbstorganisierte Steuerungsprozesse angewiesen ist.
Wir Lernenden produzieren uns durch diese Prozess unser eigenes Wissen ohne äußeren Einfluss durch eine/n Lehrende/n. Diese individuellen Lernprozesse wiederum werden durch "situative Lernorte" beeinflusst. Lernen und Lehren sind schlussendlich keine Begriffe die in ihrer Umsetzung aufeinander angewiesen sind. Somit wird der Lerngegenstand von den Lernenden selbst konstruiert und lediglich durch den situativen Lernort gerahmt.
"Vielmehr gelten sie als zwei selbstreferenzielle Systeme (vgl. Siebert 1994, S. 44 f; Kade 1997, S. 52)".
Da auch gelernt wird ohne dass gelehrt wurde und umgekehrt, kann Lernen nur ermöglicht, aber nicht erzeugt werden.
Systemisch-konstruktivistisches Denken und Lernen findet überall dort statt, wo wir Menschen uns in sozialen Systemen befinden und aktiv sind.
Abschließend ein kurzer Überblick wo Systemtheorie und Konstruktivismus überall verankert sind:
Wissenschaftstheorie JANICH/MITTELMAß; Erkenntnistheorie KANT; Neurobiologie MATURANA/VALERA; Kognitionsforschung VON GLASERSFELD; Kommunikationswissenschaft WATZLAWICK; Kybernetik VON FOERSTER; Evolutionstheorie RIEDL; Systemtheorie LUHMANN/WILLKE; Gehirnforschung ROTH; Psychotherapie STIERLIN/SIMON; Wissenssoziologie LUCKMANN/SEARLE; Emotionsforschung CIOMPI; Sprachwissenschaft SCHMIDT/FRINDTE; Lerntheorie PIAGET; Pädagogik REICH/KÖSEL/SIEBERT/VOß;
Lerntheoretische Hintergründe 2

Im Gegensatz zur konstruktivistischen Theorie wird Lernen in der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie von Holzkamp in seinem historischen und gesellschaftlichen Kontext vom Standort des Individuums aus betrachtet. Es geht hier vor allem um die Erschließung von subjektiven Gründen für Lernanstrengungen, die eine Person auf sich nimmt. Dadurch ist es möglich, Lernangebote zielgerichtet auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden auszurichten. Die subjektiven Lerngründe ergeben sich aus den subjektiven Lebensinteressen der Individuen, die sich damit eine Erweiterung ihrer Handlungsmöglichkeiten erhoffen.
Neben diesen subjektiven Lerngründen gibt es allerdings auch defensive Lerngründe. Diese sind dann gegeben, wenn Personen nur etwas lernen um Sanktionen zu entgehen. Um expansives Lernen zu ermöglichen, müssen daher die subjektiven Lerninteressen der Lernenden berücksichtigt werden. Disziplinierende Formen sollten durch Formen des partizipativen Lernens ersetzt werden und der Lernstoff sollte „Angebots-Charakter“ haben. Sehr hilfreich kann es auch sein, die Lerninhalte mit der Arbeits- und Lebenswelt der Lernenden in Verbindung zu bringen.
Gruppenarbeit- Diskussionsfrage


Arbeitgeber/in
Welche Kompetenzen und welches Wissen sind Eurer Meinung nach für den/die Arbeitgeber/in von besonderer Bedeutung?Was fordert ihr (unter Berücksichtigung der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft) aus der Sicht eines/einer Arbeitgeber/in von einem Individuum? Welches Wissen ist heute unerlässlich? Worauf wird heute besonders Wert gelegt?
Arbeitnehmer/in
Über welches Wissen sollte ein Individuum verfügen, um am Arbeitsmarkt heutzutage stand halten und wettbewerbsfähig sein zu können? Welche Kompetenzen, welche Bildung, welche Lerntechniken scheinen für Euch aus der Sicht des Individuums unter Berücksichtigung der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft unerlässlich zu sein? Welche Probleme (Leistungsdruck etc.) können dabei auftreten? Was sind die Schattenseiten?
Abonnieren
Posts (Atom)